Die Geschichte des Parfüms – Teil 1
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Vom heiligen Rauch bis zum Kölnisch Wasser
Düfte begleiten die Menschheit seit Jahrtausenden. Sie waren Opfergabe für die Götter, Heilmittel, Luxusgut und Statussymbol – lange bevor Parfüm zum täglichen Begleiter wurde. Die Geschichte des Duftes erzählt deshalb nicht nur von schönen Aromen, sondern auch von Religion, Macht, Mode und der Sehnsucht des Menschen, Erinnerungen und Gefühle einzufangen.
Begeben wir uns auf eine Reise zu den Ursprüngen der Parfümerie – von den Tempeln Mesopotamiens bis zu den ersten modernen Düften Europas.
Parfümflakon - Zypern, 550 v. Chr., The Metropolitan Museum of Art, NY
Die ersten Düfte der Menschheit
Der Begriff „Parfüm“ stammt vom lateinischen per fumum – „durch den Rauch“. Tatsächlich begann die Geschichte des Duftes nicht mit Flakons oder feinen Essenzen, sondern mit Räucherwerk.
Bereits vor etwa 5.000 Jahren verbrannten die Menschen in Mesopotamien Harze, Hölzer und aromatische Kräuter. Der aufsteigende Duft-Rauch galt als Verbindung zu den Göttern. Gute Düfte wurden als etwas Heiliges angesehen – unsichtbar und dennoch spürbar.
Solche kostbaren Räucherstoffe waren damals allerdings nur Königen, Königinnen und dem engsten Kreis der Herrschenden vorbehalten.

Parfümflakon, Ägypten, 1325 v. Chr., The Metropolitan Museum of Art, NY
Ägypten – Duft für Götter und Menschen
Von Mesopotamien aus verbreitete sich die Duftkultur nach Ägypten. Dort wurden Düfte nicht nur für religiöse Zeremonien genutzt, sondern auch im Alltag der wohlhabenden Gesellschaft.
Besonders bekannt war das Räucherwerk „Kyphi“, eine Mischung aus Harzen, Kräutern, Wein und Honig. Es wurde in Tempeln verbrannt, um die Götter zu ehren, gleichzeitig aber auch wegen seiner beruhigenden Wirkung geschätzt.
Die berühmte Pharaonin Hatschepsut ließ sogar Weihrauchbäume aus dem sagenumwobenen Land Punt importieren – einer der frühesten bekannten Handelswege für Duftstoffe.

Parfüm-Vase, Griechenland, 400 v. Chr.
Von Griechenland nach Rom
Über Kreta und die Mykener gelangte die Duftkunst später nach Griechenland und von dort weiter nach Rom.
Die Römer standen Düften zunächst eher zurückhaltend gegenüber. Das einfache, militärisch geprägte Leben galt lange als Ideal. Mit wachsendem Wohlstand änderte sich dies jedoch deutlich.
Schon bald gehörten Duftöle, Salben und aromatische Bäder zum Alltag der Oberschicht. Rosen, Lavendel, Iris und Veilchen wurden gezielt kultiviert. Parfüm entwickelte sich immer mehr zum Zeichen von Eleganz und gesellschaftlichem Rang.

Amor und Psyche machen Parfüm, Fragment einer römischen Freske, 50-79 n.Chr.,
Getty Museum
Das Mittelalter – Klöster bewahren das Wissen
Mit dem Niedergang des Römischen Reiches verschwand auch ein großer Teil der europäischen Duftkultur. Im Mittelalter geriet die Herstellung feiner Düfte weitgehend in Vergessenheit.
Bewahrt wurde das Wissen vor allem in Klöstern. Dort beschäftigte man sich mit Kräutern und Essenzen allerdings weniger aus ästhetischen Gründen, sondern vor allem wegen ihrer medizinischen Wirkung. Duftstoffe sollten Krankheiten fernhalten und die Luft reinigen.

Simon Barbe, Auszug aus Le Parfumeur Francois, Rezept für "Ungarisch Wasser", 1693
Ungarisch Wasser – der erste moderne Duft Europas
Im Jahr 1389 entstand ein Duft, der heute als Vorläufer moderner Parfüms gilt: das berühmte „Ungarisch Wasser“ (Eau de la Reine d’Hongrie).
Der Legende nach entwickelte ein Mönch diesen Duft für die ungarische Prinzessin Elisabeth. Obwohl sie bereits etwa 70 Jahre alt gewesen sein soll, galt sie noch immer als außergewöhnlich schön.
Die Hauptnote des Duftes war Rosmarin, dem man damals schützende Kräfte zuschrieb. Ergänzt wurde er unter anderem durch Salbei, Lavendel, Majoran und Zitrone.
Das „Ungarisch Wasser“ verbreitete sich über europäische Königshäuser und blieb mehrere Jahrhunderte lang beliebt.
Eau de la Reine d’Hongrie
(Ungarisch Wasser) nach dem Rezept von Simon Barbe:
Ihr gebt in eine gut verschlossene Glasflasche fünf Pint Weingeist, zwei gute Handvoll Rosmarinblätter, eine Handvoll Thymian und eine halbe Handvoll Majoran.
Dabei nehmt Ihr jeweils nur die Blätter, ebenso von Salbei wie von Majoran.
Verschließt die Flasche gut und stellt sie für einen Monat in die Sonne. Danach fügt Ihr eine große Portion Orangenblüten hinzu, zusammen mit etwas Weingeist, zerdrückt diese leicht und gebt alles in die Flasche zurück.
Anschließend stellt Ihr die Flasche erneut für fünf oder sechs Tage in die Sonne. Danach ist das Wasser fertig. Es erhält eine schöne rote Farbe, besitzt viele Tugenden und einen angenehmen Duft.
Duft statt Wasser – die Barockzeit
Im Barock galt Wasser plötzlich als gefährlich, da man glaubte, es könne Krankheiten übertragen. Stattdessen versuchte man, unangenehme Gerüche mit Duftwässern zu überdecken.
Nicht nur der Körper, sondern auch Kleidung, Handschuhe, Perücken und Accessoires wurden parfümiert. Duftwässer wurden häufig auf feine Leinentücher geträufelt, mit denen man Gesicht und Körper abtupfte. Daraus entstand später der Begriff Eau de Toilette.

Katharina von Medici (1519-1589), franz. Königin, nach Porträt von Francois Clouet
Grasse – die Geburt der Parfümstadt
Eine entscheidende Rolle spielte die südfranzösische Stadt Grasse.
Als Katharina von Medici im 16. Jahrhundert auf dem Weg zum französischen König dort Halt machte, war Grasse noch für seine Lederproduktion bekannt. Da gegerbtes Leder oft unangenehm roch, begann man, Handschuhe mit Duftessenzen zu parfümieren.
Die Region bot ideale Bedingungen: Rosen, Jasmin, Lavendel und Orangenblüten wuchsen dort in großer Zahl. Nach und nach entwickelte sich Grasse zum Zentrum der europäischen Parfümkunst.

Die erste Duft-Revolution – Eau de Cologne
1709 brachte Johann Maria Farina einen Duft auf den Markt, der die Welt der Parfümerie für immer verändern sollte: das „Kölnisch Wasser“.
Farina stammte aus Italien und wollte den „frischen italienischen Morgen“ in einem Duft einfangen. Dafür verwendete er erstmals große Mengen von Zitrusessenzen wie Bergamotte, Zitrone und Orange.
Das leichte und belebende „Eau de Cologne“ wurde schnell in ganz Europa bekannt. Königshäuser, Adelige und berühmte Persönlichkeiten wie Goethe gehörten zu seinen Kunden.
Der enorme Erfolg führte allerdings auch zu zahlreichen Nachahmungen. Besonders bekannt wurde später die Marke 4711, deren Name auf die Hausnummer des Firmensitzes zurückgeht.
Bis heute gilt Kölnisch Wasser als Meilenstein der modernen Parfümerie.
Ausblick auf Teil 2
Im zweiten Teil unserer Duftreise begleiten wir die Parfümerie in die Moderne:
von den ersten großen Parfümhäusern über synthetische Duftstoffe und Chanel No. 5 bis hin zur heutigen Nischenparfümerie und dem Wunsch nach Individualität.
Denn die Magie des Duftes dauert bis heute an.
