Drei Bergamotten liegen auf einem schwarzen Teller

Bergamotte – vom mediterranen Kulturgut zur Ikone der Parfümerie

Bergamotte ist eine jener Duftnoten, die fast jede:r kennt – und doch nur selten bewusst wahrnimmt. Frisch, grün, leicht bitter und von einer feinen Wärme getragen, wirkt sie zugleich belebend und ausgleichend. Kaum ein anderer Zitrusduft besitzt diese besondere Balance.

Doch bevor Bergamotte zur festen Größe der Parfümerie wurde, war sie vor allem eines: eine kostbare, regional verwurzelte Frucht mit langer Geschichte.

Bergamottenbäume in Kalabrien – Herkunft der Zitrusfrucht

Wie die Bergamotte nach Europa kam

Die genaue Herkunft der Bergamotte ist nicht vollständig geklärt. Wahrscheinlich gelangte sie über arabische Handelswege nach Europa und wurde im Mittelmeerraum kultiviert. Sicher ist: Ihre eigentliche Heimat fand sie in Kalabrien, im äußersten Süden Italiens.

Bis heute stammt der überwiegende Teil der weltweiten Bergamottenproduktion aus diesem schmalen Küstenstreifen. Das Zusammenspiel aus Meer, Sonne, Wind und mineralischen Böden schafft dort Bedingungen, die einzigartig sind – und die Qualität des ätherischen Öls entscheidend prägen.

Über Jahrhunderte blieb die Bergamotte jedoch eine regionale Spezialität. Zwar wurde sie geschätzt, doch spielte sie in der europäischen Duftkultur zunächst kaum eine Rolle.

Kölnisch Wasser und Johann Maria Farina

Erst im 18. Jahrhundert trat die Bergamotte bewusst in den Mittelpunkt der Parfümerie. Maßgeblich dafür war Johann Maria Farina, der Schöpfer des Eau de Cologne.

Mit seinem „Kölnisch Wasser“ definierte er erstmals einen Duft, der nicht schwer, opulent oder animalisch war, sondern leicht, frisch und klar. Bergamotte bildete dabei das Herzstück der Komposition – als leuchtender Auftakt, der den Duft öffnete und ihm seine unverwechselbare Eleganz verlieh.

Von diesem Moment an war Bergamotte aus der Parfümerie nicht mehr wegzudenken.

Furocumarine in Bergamottenöl – was man wissen sollte

Im Gegensatz zu vielen anderen Zitrusölen enthält klassisches Bergamottenöl Furocumarine (insbesondere Bergapten). Diese Stoffe können die Haut lichtempfindlich machen, weshalb unbehandeltes Bergamottenöl nicht für Gesichts- oder Körperpflegeprodukte geeignet ist.

In der Parfümerie hingegen wird in der Regel furocumarinfreies Bergamottenöl verwendet. Dadurch bleibt der charakteristische Duft erhalten, ohne die phototoxischen Eigenschaften.

Diese Unterscheidung ist wichtig – und ein gutes Beispiel dafür, wie differenziert Duftstoffe betrachtet werden müssen.

Handernte von Bergamotten – traditionelle Kultivierung

Earl Grey: Die bekannteste Verbindung zur Bergamotte

Auch außerhalb der Parfümerie hat Bergamotte ihren festen Platz. Am bekanntesten ist sie wohl als aromatische Signatur des Earl-Grey-Tees, dem sie seine elegante, leicht herbe Zitrusnote verleiht.

Heute zählt Bergamotte zu den beliebtesten Duftnoten überhaupt. Sie findet sich in klassischen wie modernen Kompositionen, in leichten Sommerdüften ebenso wie in warmen, holzigen oder harzigen Winterakkorden. Kaum eine andere Zitrusfrucht ist so vielseitig einsetzbar.

Warum Bergamotte eine Ausnahme unter den Zitrusdüften ist

Bergamotte nimmt unter den Zitrusdüften eine Sonderstellung ein. Sie enthält vergleichsweise viel Linalool – einen Duftstoff, der für seine ausgleichenden, entspannenden Eigenschaften bekannt ist.

Während viele Zitrusnoten primär anregen, wirkt Bergamotte zugleich klärend und beruhigend. Sie hellt auf, ohne aufzuwühlen. Vielleicht ist das der Grund, warum sie gerade in stressigen oder dunkleren Phasen als besonders wohltuend empfunden wird.

Eine bewährte Kombination für trübe Wintertage ist Bergamotte mit Orange:
Die Orange schenkt Wärme und Sanftheit, die Bergamotte bringt Frische und Klarheit. Gemeinsam entsteht ein Duftbild, das Licht in den Raum holt, ohne kühl zu wirken.

Kalabrische Bergamottenmarmelade und frische Frucht

Bergamotte jenseits von Parfum: Ein kulinarischer Tipp

Wer Bergamotte einmal jenseits von Parfum erleben möchte, kann in italienischen Spezialitätengeschäften nach kalabrischer Bergamottenmarmelade Ausschau halten. Ihr Geschmack ist intensiv, leicht bitter und überraschend komplex – und vermittelt ein sehr ursprüngliches Bild dieser besonderen Frucht.

Bergamotte im Winter: Licht, Klarheit und Balance

Bergamotte ist kein lauter Duft.
Sie drängt sich nicht auf, sondern öffnet Räume – olfaktorisch wie emotional.

Gerade im Winter erinnert sie daran, dass Licht nicht immer grell sein muss. Manchmal genügt eine leise, klare Note, um neue Weite entstehen zu lassen.

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